{"id":78,"date":"2017-08-17T08:18:15","date_gmt":"2017-08-17T08:18:15","guid":{"rendered":"http:\/\/rudi.puettstadt.de\/?p=78"},"modified":"2018-06-21T13:48:47","modified_gmt":"2018-06-21T13:48:47","slug":"gemeinsam-miteinander-550-jahre-beckumer-bauknechte-750-jahre-kollegiatsstift-st-stephanus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/rudolf-grothues.de\/?p=78","title":{"rendered":"\u201eGemeinsam \u2013 Miteinander. 550 Jahre Beckumer Bauknechte. 750 Jahre Kollegiatsstift St. Stephanus\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"articleText1\">\n<figure id=\"attachment_79\" aria-describedby=\"caption-attachment-79\" style=\"width: 960px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-79\" src=\"http:\/\/rudi.puettstadt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/image-8.png\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"897\" srcset=\"http:\/\/rudolf-grothues.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/image-8.png 960w, http:\/\/rudolf-grothues.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/image-8-350x327.png 350w, http:\/\/rudolf-grothues.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/image-8-300x280.png 300w, http:\/\/rudolf-grothues.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/image-8-768x718.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-79\" class=\"wp-caption-text\">Mit dem Bundestagsabgeordneten Bernhard Daldrup im Gewand der ehemals einflussreichen Chorherren<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"left\">Sehr geehrter Herr Dr. Gesing!\u00a0Sehr geehrte Bauknechte und Baum\u00e4gde!\u00a0Meine sehr geehrten Damen und Herren!<\/p>\n<p>Es ist Sonntag Morgen, 11 Uhr im Stadtmuseum Beckum, das Haus platzt aus allen N\u00e4hten: Es ist Ausstellungser\u00f6ffnung, die meisten hier im Raum sind schon oft zu diesem Anlass erschienen. Doch heute geht es nicht um zeitgen\u00f6ssische Kunst wie sonst \u00fcblich, sondern es geht um das Miteinander in unserer Stadt, um die Sorge f\u00fcreinander, um Vielfalt und Gemeinsamkeit, um Gemeinschaft und um gegenseitige Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Die beiden Jubil\u00e4en, 750 Jahre Kollegiatstift St. Stephanus und 550 Jahre Bruderschaft der Beckumer Bauknechte bilden die Anl\u00e4sse f\u00fcr diese besondere und wie ich finde spannende Ausstellung.<\/p>\n<p>Wir blicken zun\u00e4chst weit zur\u00fcck ins Mittelalter und beginnen im Jahr 1267: Beckum ist eine bl\u00fchende Ackerb\u00fcrger- und Handelsstadt mit zirka 1.000 bis 1.500 Einwohnerinnen und Einwohnern. 43 Jahre zuvor wurde Beckum erstmals urkundlich als \u201eStadt\u201c erw\u00e4hnt. Beckum ist umgeben von einer Stadtmauer mit 4 Stadttoren und 22 Wacht\u00fcrmen sowie von weiteren Wallanlagen, die die \u00c4cker umfassen, die rund um die Stadt bewirtschaftet werden.<\/p>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<div class=\"articleText2\">\n<p>Beckum befindet sich in einer Bl\u00fctezeit, die Stadt ist sehr wohlhabend. Da beschlie\u00dft Heinrich von Meppen gemeinsam mit seiner Mutter und seinen Br\u00fcdern die vom Vater geerbten G\u00fcter bei Osnabr\u00fcck zu verkaufen und den Erl\u00f6s daf\u00fcr zu verwenden, L\u00e4ndereien in Beckum zu erwerben. Die Familie hat offensichtlich eine enge Verbindung zu Beckum, so soll schon ein Onkel Heinrichs an der Beckumer Kirche als Vikar und Seelsorger t\u00e4tig gewesen sein.<\/p>\n<p>So weit, so spannend, doch die von Meppens lassen sich nicht einfach auf den Beckumer G\u00fctern nieder und bewirtschaften sie zu ihrem eigenen Vorteil, nein sie gr\u00fcnden das Stift Beckum und \u00fcbertragen die G\u00fcter dieser Einrichtung. So schaffen sie die Voraussetzung daf\u00fcr, dass ihr Verm\u00f6gen weit \u00fcber ihr eigenes Leben hinaus in Beckum Gutes bewirkt.<\/p>\n<p>Die Einnahmen aus den L\u00e4ndereien werden f\u00fcr die sogenannten Pfr\u00fcnde verwendet, das sind Einkommen in festgelegter H\u00f6he, die die Kanoniker, die Bewohner des Stiftes, erhalten. Daf\u00fcr \u00fcbernehmen sie Aufgaben: Sie sind f\u00fcr die Gottesdienste und die Stundengebete zust\u00e4ndig und sie richten die erste Beckumer Schule ein.<\/p>\n<p>So haben die Begr\u00fcnder des Kollegiatstifts jahrhundertelang das Leben in Beckum mitbestimmt und bereichert. Und auch wenn man heute feststellen muss, dass das Stift mit der Zeit verarmte und die Kanoniker in sp\u00e4teren Jahrhunderten in ihrer Lebensf\u00fchrung nicht mehr den urspr\u00fcnglichen Anspr\u00fcchen entsprachen, so hat es doch f\u00fcr eine sehr lange Zeit seinen Sinn erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Die heutige Ausstellung zeigt uns viele weitere Beispiele aus Beckums Historie und aus der Gegenwart, die von Gemeinsinn zeugen. Ich verspreche Ihnen, meine Damen und Herren, dass Sie allein \u00fcber die gro\u00dfe Anzahl genauso erstaunt sein werden wie ich es bin.<\/p>\n<p>Es geht ja nicht nur um Stiftungen, sondern auch um viele weitere kirchliche und weltliche Vereinigungen, um Privatinitiativen und verschiedene Formen von F\u00fcrsorge. Hierzu geh\u00f6ren zum Beispiel die Z\u00fcnfte und die St\u00e4ndevereinigungen und \u2013 nicht zu vergessen \u2013 die Bruderschaften. Und damit komme ich zu einem wichtigen Schwerpunkt meiner Ansprache.<\/p>\n<p>Von den zahlreichen Beckumer Bruderschaften, die es \u00fcber die Jahrhunderte gab, existiert heute nur noch eine einzige, das ist die Bruderschaft der Beckumer Bauknechte.<\/p>\n<p>Ich freue mich, dass heute Morgen viele Bauknechte hier sind. Sie sind ja leicht zu erkennen an den blauen Kitteln, und auch der Pritschenmeister Franz-Josef M\u00f6llers ist leicht zu erkennen, n\u00e4mlich an dem Hut mit der Mettwurst. Euch und Ihnen allen ein herzliches Willkommen!<\/p>\n<p>Die Bruderschaft wird erstmals 1467 schriftlich erw\u00e4hnt, ist also vermutlich noch \u00e4lter als 550 Jahre. Die Bauknechte, genau genommen Bauernknechte, schlossen sich zusammen, um in der Gemeinschaft mehr zu wiegen und gemeinsam Rechte und Anspr\u00fcche durchzusetzen, aber auch um gemeinsam zu feiern. Noch heute pflegen die Bauknechte alte Traditionen, wie das gemeinsame Feiern von Maria Lichtmess und die Veranstaltungen rund um Karneval, das sind P\u00fclverkesabend, Schmiedenachmittag und Heischegang.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus setzt sich die Bruderschaft unerm\u00fcdlich daf\u00fcr ein, das Brauchtum und das kulturelle Erbe in Beckum zu vermitteln und zu bewahren.<\/p>\n<p>So haben die Beckumer Bauknechte in den vergangenen Jahrzehnten f\u00fcr zahlreiche Projekte beeindruckende Summen bereitgestellt. Nicht wenige davon h\u00e4tte es ohne Sie nicht gegeben.<\/p>\n<p>Ich nenne ein paar Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>die Emaille-Stra\u00dfenschilder in der Beckumer Innenstadt,<\/li>\n<li>die Restaurierung der Friedhofstore und der Mariens\u00e4ule,<\/li>\n<li>die Finanzierung von Gedenksteinen auf ehemaligen Friedh\u00f6fen,<\/li>\n<li>Zusch\u00fcsse f\u00fcr die Sanierung von H\u00f6xberg-M\u00fchle und Dormitorium,<\/li>\n<li>die Unterst\u00fctzung zahlreicher Ank\u00e4ufe f\u00fcr das Stadtmuseum,<\/li>\n<li>oder auch die Finanzierung des Steink\u00fchler-Theaterst\u00fccks, das Kindern die schwere Arbeit eines Steink\u00fchlers auf wunderbar unterhaltsame Art n\u00e4herbringt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es gibt viele weitere Projekte, die ich hier gar nicht alle nennen kann.<\/p>\n<p>An dieser Stelle spreche ich Euch und Ihnen f\u00fcr dieses herausragende Engagement meine Anerkennung und meinen herzlichen Dank aus! Ich freue mich, dass sich ein Raum in dieser Sonderausstellung mit der 550-j\u00e4hrigen Geschichte und den Traditionen der Bauknechte besch\u00e4ftigt und die Bruderschaft so eine besondere Aufmerksamkeit erh\u00e4lt, die sie ganz sicher verdient. Ich w\u00fcnsche den Bauknechten und \u2013m\u00e4gden, dass es ihnen gelingen m\u00f6ge, die Begeisterung f\u00fcr die Bruderschaft und f\u00fcr ihre Traditionen an junge Generationen weiterzugeben und diese besondere Gemeinschaft so weiterlebt!<\/p>\n<p>Meine sehr geehrten Damen und Herren,<\/p>\n<p>die Bauknechte sind ein hervorragendes Beispiel f\u00fcr eine Gemeinschaft, die schon sehr lange Bestand hat.<\/p>\n<p>Andere Gemeinschaften und Projekte haben die Jahrhunderte nicht \u00fcberdauert, hatten in ihrer Zeit aber sicherlich ihre Aufgaben und ihre Berechtigung.<\/p>\n<p>Es stellt sich ja die Frage, warum Menschen ihre Energie, ihre Zeit, ihr Wissen und ihr Verm\u00f6gen hergeben, um anderen Menschen Gutes zu tun.<\/p>\n<p>Die Ausstellung gibt ganz unterschiedliche Antworten auf diese Frage.<\/p>\n<p>Oft gab und gibt eine religi\u00f6se Motivation. Ob es nun Fr\u00f6mmigkeit oder Barmherzigkeit ist, Gottesfurcht oder gar die Furcht vor dem Fegefeuer, viele Initiativen haben ihre Urspr\u00fcnge sicherlich im Glauben oder in dem, was zu verschiedenen Zeiten daf\u00fcr gehalten wurde.<\/p>\n<p>Manchmal gibt es auch schlicht eine finanzielle Motivation, sich f\u00fcr eine Sache zu engagieren. So \u00fcberschrieb die Familie von Meppen vor 750 Jahren ihr Verm\u00f6gen zwar dem Stift Beckum, gleichzeitig sicherte sie den Br\u00fcdern und auch der Mutter zu ihren Lebenszeiten Einnahmen aus dem Verm\u00f6gen zu und verschaffte sich so eine finanzielle Sicherheit.<\/p>\n<p>Heute gibt es f\u00fcr Spenden an gemeinn\u00fctzige Organisationen und f\u00fcr Stiftungen steuerliche Vorteile, diesen Aspekt darf man sicherlich nicht au\u00dfer Acht lassen.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gewinne ich an Einfluss, unter Umst\u00e4nden sogar an Macht, wenn ich mich mit anderen zusammenschlie\u00dfe oder Gutes f\u00fcr andere tue. Auch dies ist eine Triebfeder.<\/p>\n<p>Doch ich m\u00f6chte behaupten, dass die gr\u00f6\u00dfte Motivation f\u00fcr gegenseitige Hilfe und Unterst\u00fctzung immer noch die Freude ist, die man dadurch erzeugt.<\/p>\n<p>\u201eGeteilte Freude ist doppelte Freude\u201c, wir alle kennen diesen Ausspruch und ich denke, dass diese Antriebsfeder auch schon bei der Gr\u00fcndung des Kollegiatstiftes Beckum im Jahr 1267 eine Rolle spielte genauso wie es die Bauknechte seit mehr als 550 Jahren bewegt.<\/p>\n<p>Aber auch alle anderen, die sich in unserer Zeit f\u00fcr die Gemeinschaft engagieren: im sozialen und kulturellen Bereich, im Sport oder wo auch immer: ohne freiwiliiges und ehrenamtliches Engagement kann unsere Gesellscahft garnicht mehr funktionieren und daher sei an dieser Stelle allen Angesprochenen gedankt.<\/p>\n<p>Ich danke Herrn Dr. Gesing und allen, die bei der Erstellung dieser Ausstellung mitgewirkt haben, herzlich daf\u00fcr, dass sie diesen Teil der Beckumer Geschichte aufbereitet haben. Wenn eine Ausstellung aufgebaut ist und alles so stimmig und logisch aufeinander abgestimmt ist, bekommt man schnell den Eindruck, dass dies doch nicht so schwer gewesen sein kann. Ich m\u00f6chte behaupten, dass es genau umgekehrt ist: Je stimmiger die Ausstellung, desto aufwendiger die Vorbereitung. In diesem Sinne gilt Ihnen, Herr Dr. Gesing, meine Hochachtung f\u00fcr diese gelungene Pr\u00e4sentation.<\/p>\n<p>Deshalb hoffe ich auch sehr, dass die Ausstellung in den kommenden viereinahalb Monaten die Aufmerksamkeit erlangen wird, die sie verdient hat.<\/p>\n<p>Ich gebe nun gern das Wort an Sie weiter und w\u00fcnsche Ihnen, meine Damen und Herren, viel Freude bei der Erkundung der Ausstellungsr\u00e4ume!<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Dr. Gesing!\u00a0Sehr geehrte Bauknechte und Baum\u00e4gde!\u00a0Meine sehr geehrten Damen und Herren! 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